Kate Winslet läßt sich auf eine Affaire mit dem 20 Jahre jüngeren David Kross ein in: DER VORLESER. Michael Berg ist 15 Jahre jung und lernt im Nachkriegsdeutschland die einsame und zurückgezogen lebende Frau Hanna kennen. Schnell verführt die wesentlich erfahrenere Frau den Jüngling. Als er eines Tages ein Buch von der Schule mitbringt, soll er ihr vorlesen. Von nun an liest er Hanna aus den verschiedensten Büchern der Weltliteratur vor, bevor sie sich lieben. Doch Hanna ist eines Tages verschwunden. Erst acht Jahre später sitzt Michael als Jurastudent und Beobachter im Gerichtssaal wo sechs SS-Aufseherinnen wegen 300fachen Mordes angeklagt wurden. Hanna ist eine der Angeklagten... DER VORLESER faßt einen interessanten Konflikt auf, ist doch der Protagonist verliebt in eine KZ-Aufseherin. Jedoch läßt die Umsetzung einiges zu wünschen übrig. Die Melancholie, die sich durch den ganzen Film zieht, wirkt etwas einschläfernd. Am Anfang des Films versuchte man dies noch mit einer schnellen Erzählweise zu überdecken. Hier sind wohl einige Szenen auf dem Schneidetisch geblieben. Hinzu kommt noch eine merkwürdige Regie, hätte doch die Gerichtsverhandlung eine Überraschung sein sollen, aber Kate Winslet, zwar durchweg glaubwürdig, konnte der Zuschauer stets ansehen, daß sie etwas schlimmes verbirgt und das Verhalten mancher Figuren ist auch alles andere als logisch oder ausreichend geklärt worden. Aus DER VORLESER hätte ein wirklich großer und lebendiger Film werden können, stattdessen herrscht zum Großteil langeweile. Wehmütig erscheint dann dem Cineasten der Nachruf der beiden Regiellegenden: Sidney Pollack und Anthony Mingella. Was hätten sie mit diesem Stoff schaffen können? Wir werden es leider nie erfahren. 2 von 5 Punkten |